a) In der Nähe von Städten
11 Kilometer von der Zivilstadt Carnuntum entfernt befindet sich die Villa von Bruckneudorf. Das Gelände des Streubauhofs wurde großflächig bereits im Rahmen von Altgrabungen untersucht, allerdings lässt sich zur Baugeschichte ausschließlich anhand der neueren Grabungen im Hauptgebäude Konkreteres erfassen. Von Bedeutung ist der Nachweis eines Holzgebäudes, dessen Rekonstruktion bereits die in Stein ausgeführte Variante des Innenhofhauses mit Portikus vorwegnimmt. Aufgrund einer sekundär in der Spätantike hier eingemauerten Inschrift wurde in der älteren Forschung die Entstehung der Anlage mit M. Cocceius Caupianus pr(aefectus) oder pr(inceps) c(ivitatis) B(oiorum) in Verbindung gebraucht.
Die älteste Steinbauperiode des 2. Jahrhunderts n. Chr. entspricht dem Innenhofhaus mit Portikus, die Periode 3 der Anlage dem Innenhofhaus mit Portikus-Risalit-Fassade (spätes 2./frühes 3. Jahrhundert n. Chr.).
Villa von Bruckneudorf |
Villa von Bruckneudorf |
Villa von Bruckneudorf |
| 5 Kilometer von der Zivilstadt Carnuntum entfernt liegt die bei Altgrabungen untersuchte Villa von Regelsbrunn, auf einem annähernd quadratischen eingehegten Grundstück befindet sich das zentrale Gebäude mit Portikus und südlich davon ein Getreidespeicher. Die Datierung ab dem frühen 2. Jahrhundert n. Chr. wird durch das Vorkommen einer Fibel Almgren 73a und des gestempelten Ziegels der 14. Legion indiziert. Bemerkenswert und zugleich atypisch ist die Standortwahl unmittelbar in der Limesregion, was aufgrund der Nähe zum Absatzmarkt Carnuntum begründet ist. | |
Regelsbrunn |
b) Auf dem Land
Im Hinterland von Carnuntum und Scarbantia sind zahlreiche Villen belegt, deren Zeitstellung jedoch zumeist nicht näher bestimmbar ist, da es sich hauptsächlich um alt gegrabene Befunde handelt. In der Kartierung sind jene Gehöfte erfasst deren Beginn im 2. Jahrhundert n. Chr. anzunehmen ist. Das bevorzugte Siedlungsgebiet liegt an den Hängen des Leithagebirges bis nahe zum Neusiedlersee.
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Hier befindet sich die Villa von Winden am See; das Gebäude der Periode 2 wurde als Korridorhaus mit Portikus rekonstruiert und häufig in der Literatur exemplarisch für diesen Typ angeführt, auch wenn der Grabungsbefund sehr lückenhaft ist. Der überlieferte Grundriss der Periode 2 dürfte den Bauzustand des 3. Jhs. n. Chr. widerspiegeln, die ältere Periode 1 des 2. Jhs. n. Chr. (im Plan rot markiert) ist auch nur in Teilbereichen zu erfassen. |
Winden am See |
| Anders situiert ist die Villa von Halbturn, deren Errichtung im Flachland mit der Nähe zum Absatzmarkt Carnuntum erklärt werden kann. Das offenbar in mehreren Bauperioden erweiterte Haupthaus dürfte ursprünglich eine Portikusvilla repräsentieren. | ||
Halbturn |
Halbturn |
a) Geomorphologische Grundlagen/Verkehrswege
Die bevorzugte Lage der Villen befindet sich im Einzugsbereich der Bernsteinstraße an den Hängen des Leithagebirges; geringer sind die Belege im Flachland ohne Geländemarke. Villen in der Limeszone sind selten.
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Villen im nordwestlichen Pannonien |
b) Zeitpunkt der Entstehung
Nur anhand der Befunde in Bruckneudorf ist bislang Näheres zur ältesten Bauperiode einer Villa des späteren 1. Jahrhunderts n. Chr. bekannt (t.p.q. Münze des Galba, 69).
H. Sedlmayer